Wie deine Wahrnehmung deine Bilder beeinflusst und warum malen wie Yoga für Kreative ist ;-)

Es ist wunderbar befreiend prozessorientiert zu arbeiten und aus dem Impuls heraus zu malen. Sich den sinnlichen Freuden des Farbauftrags hinzugeben. Nicht zu bewerten. Farben verziehen. Den Pinselduktus stehen lassen. Weiche Übergänge schaffen. Unwillkürliche Entscheidungen treffen. Eine Farbspur mit dem Pinsel aufbringen. In zufälligen Farbmischungen schwelgen….

Häufig kommt dann der Punkt, an wir das Chaos ein wenig ordnen möchten. Aber wie? Der Übergang vom intuitiven Malprozess zum bewusst gesteuerten, der kompositorische Aspekte berücksichtigt, fällt vieler meiner Kursteilnehmer schwer.

Bilder zu malen und den Malprozess weiterzuentwickeln setzt voraus, dass wir sie sehen, sie wirklich wahrnehmen.

Beim googeln des Wortes „Wahrnehmung“ findet sich folgendes: „das was man mit den Sinnen bemerkt“. Bei Wikipedia fand ich folgenden Zusatz: „Inhalte und Qualitäten einer Wahrnehmung können manchmal (aber nicht immer) durch gezielte Steuerung der Aufmerksamkeit und durch Wahrnehmungsstrategien verändert werden.

Die Wahrnehmung kann verändert werden, wenn ich die Aufmerksamkeit erhöhe. Das bedeutet für die Malenden, einmal innezuhalten im Prozess des Schaffens und bewusst den Fokus auf das Schauen zu lenken. Still zu sein. Im Augenblick sein. Abstand zwischen sich und das Bild zu bringen. Unterschiedliche Blickwinkel einzunehmen, die Perspektive zu verändern. In sich zu spüren: Wie geht es mir mit dem, was ich geschaffen habe? Wie wirkt es auf mich? Eine Tasse Tee trinken. Oder ein Glas Wein. Wieder zu schauen. Und schon bist du im Jetzt. Du und das Bild. Sonst nichts. Egal was draußen auf dich wartet. Durch die malerische Auseinandersetzung schulst du deine Wahrnehmung. Das passiert einfach so. Du siehst einfach mehr. Und hat zugleich den tollen Effekt, dass du dir mit einfachen Mitteln eine kleine Auszeit schaffst. Malen ist wie Yoga für Kreative 🙂

Bei mir geht das Malen und Schauen ineinander über, denn ich arbeite schnell. Meine Erfahrung bringt das Wissen „eine Etage tiefer“ d.h. ich rufe kompositorische Erkenntnisse im Malprozess ab, ohne drüber nachzudenken. Nach einer gewissen Zeit brauche ich Abstand zum Bild, um wirklich loslassen zu können und mich nicht darin zu verbeißen. Es kommt vor, dass es Tage dauert, bis ich wieder beginne, denn dann erst ist mein Blick wieder frisch und klar und ich kann besser entscheiden, wie ich weiter gehen möchte.

Das Sehen und Wahrnehmen steht an erster Stelle und ist Ausgangspunkt für alle weiteren Schritte.
Du darfst so lange spielerisch mit dem Material umgehen wie du möchtest. Du brauchst keinen Plan, keine Strategie, nicht unbedingt eine Kompositionsskizze. Häufig engt uns das zu frühe Gefühl sich festlegen zu müssen ein und blockiert. Es hilft, immer nur die nächste Entscheidung zu fällen und nicht die nächsten 15 Schritte im Kopf zu haben.
Wenn du innehältst und du das Bild wirken lässt, versuche zu formulieren was du siehst. Was gefällt dir? Was gefällt dir nicht? So kommst du den nächsten Entscheidungen eine Spur näher.
Durch die häufige Auseinandersetzung mit bildnerischen Themen sehen wir immer mehr. Der Himmel ist heute grau…aber ist da nicht eine Spur himmelblau hell zu entdecken? Und vielleicht sogar etwas Neapelgelb? Das hört sich doch schon ganz anders an, oder?
Die Zeit, die du brauchst, um wirklich wahrzunehmen, was auf deinem Bild los ist, ist individuell und bei jedem anders. Manche spüren lange in sich, bis sie die nächsten Entscheidungen treffen. Bei anderen geht es schneller. Nimm dir die Zeit, die DU brauchst, es hat auch mit deinem Temperament zu tun. Wenn du mit neuen Materialien arbeitest, kann es sein, dass die Auseinandersetzung damit so intensiv ist, dass du auf formale Dinge gar nicht achten kannst. Je häufiger du damit arbeitest, desto so sicherer wirst du im Umgang damit und nach und nach kannst du währenddessen die kompositorischen Themen in den Blick nehmen. Verlange nicht zu viel auf einmal von dir und deinem Bild. Setz dich nicht unter Druck und behalte die Freude am Tun.

Viel Freude bei allen Experimenten, lass Farbe fließen,

Angelika

 

Kommentar von Antje Heidermann | 16.05.2017

Liebe Angelika,
ich bin begeistert von deinem Blog. Deine Stimme zu hören ist eine Auffrischung der Erinnerungen der Kursinhalte, die du mir vermittelt hast. Ich freue mich natürlich über dein Buch, das ich selbstverständlich haben möchte und auf den Kurs im Juli in Hattingen.
Viele Grüße Antje

Antwort von Angelika Biber

Liebe Antje,

schön von dir zu hören und danke für die tolle Rückmeldung! Ich freue mich sehr, dass wir uns in Hattingen wieder sehen und zusammen arbeiten werden 🙂

Ganz liebe Grüße,

Angelika

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