Ein Häppchen Inspiration – Himmelsstimmung in Prerow

Zurück von meiner Malreise in Prerow an der Ostsee bin ich noch immer erfüllt von der wundervollen Natur dort.

Obwohl (oder vielleicht gerade weil) der Himmel nicht immer so schön himmelblau war wie man sich das wünschen würde, war die Stimmung dennoch sehr inspirierend.

Auch wenn wir dort im Atelier malen und nicht wie die Aquarellisten mit Block, Farbkasten und Pinsel in der Natur sitzen, nehmen wir auch das „außen“ wahr und speichern das Gesehene als „innere Bilder“ ab, um es möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt wieder abzurufen und zu abstrakten Landschaften zu machen. Und ein dramatischer Wolkenhimmel eignet sich dafür natürlich viel besser als blauer Himmel und Sonnenschein 🙂

Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des letzten Jahrhunderts waren die Maler der Künstlerkolonien wie Ahrenshoop nahe Prerow oder Worpswede von den ländlichen Motiven der Umgebung und insbesondere vom Licht dort fasziniert. Das ist in den ortsansässigen Museen in zahlreichen Arbeiten zu bewundern. Als ich mich vor einigen Jahren intensiver malerisch mit Himmel und Wolken auseinander gesetzt habe und Lust hatte, weniger mit Material zu arbeiten sondern mal richtig zu malen 😉 sind mir folgende Punkte aufgefallen:

• Am Wolkenhimmel sind unzählig viele Farbnuancen erkennbar, manchmal auch erst auf den zweiten Blick. Selbst bei blauem Himmel und Schäfchenwolken sind viel mehr zarte Farbabstufungen sichtbar als zunächst gedacht.

• Diese Farbnuancen sind notwendig, um die Wolken plastisch darzustellen.

• Wolken habe Perspektive (Oben am Himmel sind die Wolken größer, zum Horizont hin verdichten sie sich häufig).

• Je nach Sonnenstand werden die Wolken von oben oder unten von der Sonne angestrahlt und dementsprechend sitzt die Helligkeit und das Licht.

• Die Himmelsstimmung spiegelt sich häufig im Wasser wieder.

• Das Malen des Horizonts bringt erst die Tiefe ins Bild.

Eine Auseinandersetzung mit solchen malerischen Themen steigern die Wahrnehmung, aber auch die handwerkliche Umsetzung trainiert uns und erweitert unsere Ausdrucksmöglichkeiten. So ist es z.B. bei Wolkenbildern notwendig, Farbabstufungen mit dem trockenen Pinsel und sehr wenig Farbe aufzubringen, also die Farbe wolkig aufs Bild zu reiben. Jede nachfolgende Schicht wird noch dünner als die vorherige gemalt damit die Wolken schön „fluffig“ werden. Das Üben der Technik bringt uns auch in der abstrakten Malerei weiter, denn so dünn aufgeriebene Flächen wirken weniger dicht und stumpf und bringen Tiefe in den Farbauftrag.

Achtung: Schwierig wird dieses Verreiben bei Gelb (Sonne) und blauem Himmel, denn das durchscheinende Verarbeiten oder Verziehen dieser Farben würde grüne Farbtöne ergeben. In diesen Fällen reibe ich einen Verlauf von Blau zu Weiß ein und setze nach dem Trocknen in die weißen Flächen das Gelb für die Sonne.

Vielleicht konnte ich Dich inspirieren, Dich einmal mit einem solch klassischen Motiv zu befassen.

Viel Freude bei allen Experimenten,

lass Farbe fließen,

Angelika

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