Künstlerportrait auf KUNSTschoen.de

Vor Kurzem erschien auf dem neuen Blog KUNSTschoen.de dieses Künstlerportrait von mir, das ich Euch nicht vorenthalten möchte.

Kunst macht glücklich – Im Gespräch mit Angelika Biber

Kunst bedeutet für die Künstlerin Angelika Biber Experiment und Überraschung zugleich. Und vor allen die Freude am selbst Geschaffenen. Denn Kunst macht glücklich!
Bereits seit ihrer kunstpädagogischen Ausbildung verfolgt Angelika Biber ihren experimentellen und prozessorientierten Ansatz des künstlerischen Arbeitens. „Kreativ sein gibt uns die Möglichkeit, unsere Einzigartigkeit und Besonderheit sowie Gefühle auszudrücken“, erklärt die Künstlerin gleich zu Beginn.

„Ich möchte Farbe in die Welt bringen,
Lebendigkeit, Leichtigkeit
und schöne Stimmungen.“

Angelika Biber in ihrem Atelier
Die Künstlerin Angelika Biber bei der Arbeit in ihrem Atelier (Foto: ©Markus Jung)

Kunst als „Glücksaktivität“

Seit vielen Jahren verfolge ich bereits das Schaffen von Angelika Biber und konnte ihr bei der künstlerischen Arbeit auch oftmals schon über die Schulter schauen. Dadurch habe ich selbst erlebt, dass sie sehr flexibel auf die Eigenheiten des Materials reagiert. In der Tat kombiniert Angelika Biber ihre Arbeiten gerne gezielt mit Materialien, die ein Eigenleben haben.

Vom Eigenleben des Materials

Das Unvorhersehbare, der Zufall, ist ihr willkommen und sie reagiert unmittelbar hierauf. Die Künstlerin verlässt dann gewohnte Pfade und betritt neue Wege. Diese Art der künstlerischen Arbeit nennt sie eine „Reise ins Ungewisse“. Und wenn Materialien anders reagieren, als von ihr gewünscht oder erwartet, nimmt sie dies als willkommene Möglichkeit, neue abstrakte Bildideen zu entwickeln.

Grenzgängerin zwischen Fläche und Linie, Malerei und Zeichnung

Angelika Biber verbindet in ihren Werken oftmals Malerei mit Zeichnung. Darüber hinaus bewegt sie sich in ihren Werken zwischen Gegenstand und Abstraktion, Linie und Fläche. Dabei arbeitet die vielseitige Künstlerin sowohl in Acryl wie in Mixed Media. Unterwegs greift Angelika Biber gerne auch zum Zeichenstift oder zum Aquarellkasten. Im Spiel mit Materialien und Werkzeugen entstehen kontrast- und spannungsreiche Bilder, die oft ein wahres Feuerwerk an Farben und Formen entfalten.

Rotgrundiger Waldboden mit braunen Baumstämmen.
Angelika Biber, "Wald", Acryl und Ölkreide auf Leinwand, 80 x 100 cm

Farbe in die Welt bringen

Die ausdrucksstarke Farbigkeit ihrer Bilder steht mir immer sofort vor Augen, wenn ich an die Werke von Angelika Biber denke. Wie wichtig ihr die Farbe als Ausgangspunkt ihrer Arbeit ist, bestätigt sie bei der Frage nach dem, was sie selbst denn inspiriere.

„Der Ausgangspunkt ist meist die Farbe.
Ich habe vage eine Farbstimmung im Sinn und nehme dann Schritt für Schritt weitere Farbtöne hinzu.
Ein Motiv entwickelt sich häufig erst im Prozess.“

Arbeiten in Serie

Die Künstlerin arbeitet gerne farbintensiv. Zur Zeit experimentiert sie mit Farbkombinationen aus reinen und getrübten Farben. Häufig kommen auch fluoreszierende Farben hinzu. Und sehr oft arbeitet sie dabei seriell. Dann versucht sie, die Flächen und Strukturen jeweils in anderen Positionen auf die Leinwand zu bringen. Hier kommt bei Angelika Biber wieder der Mut zum Augenblicklichen zum Tragen. Denn die Künstlerin arbeitet nach eigener Aussage in das Chaos hinein und beruhigt das Werk erst im Anschluss wieder. Dazu muss sie mutig in das schon Gemalte einreifen, ohne die Sorge, dabei etwas im Werk zu zerstören.

Angelika Biber, Dynamische Schwünge 1
Angelika Biber, "Dynamische Schwünge“ 1. Sand, Acrylfarbe und Ölkreiden auf Leinwand, 60 x 60 cm, 2019.
Angelika Biber, Dynamische Schwünge 2
Angelika Biber, "Dynamische Schwünge“ 2. Sand, Acrylfarbe und Ölkreiden auf Leinwand, 60 x 60 cm, 2019.
Angelika Biber, Dynamische Schwünge 3
Angelika Biber, "Dynamische Schwünge“ 3. Sand, Acrylfarbe und Ölkreiden auf Leinwand, 60 x 60 cm, 2019.
Angelika Biber, Dynamische Schwünge 4
Angelika Biber, "Dynamische Schwünge“ 4. Sand, Acrylfarbe und Ölkreiden auf Leinwand, 60 x 60 cm, 2019.

Ein neues Gefühl der Freiheit – alles ist möglich!

Auf diese Weise arbeitet die Künstlerin zunächst einmal frei. Erst während des Malprozesses berücksichtigt Angelika Biber gezielt kompositionelle Aspekte. Dementsprechend rät sie davon ab, an bestimmten, vorgefassten Bild-Vorstellungen festzuhalten. Vielmehr unterstützt es den kreativen Prozess, wenn man sich von solchen Vorgaben löst und nicht jeden seiner Schritte umgehend bewertet. Die Künstlerin plädiert dafür, „Unordnung“ und Zufallzuzulassen. Angelika Biber strebt nicht das perfekte Ergebnis an und gelangt gerade dadurch zu lebendigen, ausdrucksstarken Ergebnissen.

Experimentelle Malerei und Malwerkzeuge

Das von Angelika Biber meist genutzte Malwerkzeug ist der breite Borstenpinsel. Ebenso gerne verwendet sie aber auch den Silikon-Spachtel (Colour Shaper) und die Linolwalze für die Fläche. Linienelemente erzeugt sie ebenfalls mit verschiedenen Werkzeugen: Je nach dem, ob sie feine oder stärkere Linien erzeugen möchte, wählt die Künstlerin hierfür entweder Stifte (z. B. wasservermalbare Woodys), wasservermalbare Grafitkreide oder Kalliegrafiepinsel.

Angelika Biber, freie Formen Acrylfarbe
Angelika Biber, "Komplementäre Klänge", Acryl auf Leinwand, 90 x 90 cm, 2018

Intuitive Auswahl

Angelika Biber sucht ihr Werkzeug oft intuitiv aus. Alltägliche Gegenstände und auch Werkzeug aus dem Baumarkt können zudem neue Impulse geben. Abhängig von der Beschaffenheit der aufzutragenden Farbe prägt jedes Werkzeug maßgeblich den Ausdruck der Form.
Grundsätzlich gilt dabei: Je größer der Malgrund, desto größer das Malwerkzeug. Auf diese Weise lassen sich Formen aus einem Schwung setzen.

Abstrahierte Blütenformen in Pink, Blau und Grün
Angelika Biber, "Florale Abstraktion", Acryl auf Leinwand, 70 x 90 cm, 2016

Feinfühlig schöne Oberflächen schaffen

Strukturmittel spielen bei Angelika Biber eine wichtige Rolle. Am liebsten rührt sie sich diese und weitere Hilfsmittel selbst an. Sogar Eisengrundierungen für Rosteffekte mixt sie sich selbst. Auf diese Weise kann sie bei ihrer prozessorientierten Arbeitsweise das Material variabel verwenden. Sie hat alles, was sie benötigt, immer zur Hand.

Strukturen für mehr Tiefe

Strukturen können dem Werk zusätzliche Tiefe verleihen und bringen ein Bild in die dritte Dimension. Angelika Biber betont hierbei aber, wie wichtig der feinfühlige Umgang mit den Farben ist. Denn allzu häufig geschehe es, dass Strukturen mit zu viel pastos aufgetragener Farbe zugedeckt werden. Flüssige Farben, z. B. flüssige Acrylfarben, Tusche oder Airbrushfarben, eignen sich daher am besten zum Bemalen und Akzentuieren von Strukturen.

Stark aufgebrochene Acrylstrukturen in Ocker und Pink.
Angelika Biber, "Struktur mit Schellack", Marmormehl, Schellack, Beize und Acrylfarbe, 20 x 20 cm, 2016

Arbeiten mit Wachs

Strukturen unter Wachs sind eine Besonderheit ihrer Arbeit. Die Künstlerin setzt hierfür Wachsaufträge für hauchzarte Oberflächenstrukturen. Dünne Wachsschichten lassen die Acrylfarben der Untermalung wunderbar atmosphärisch hindurchschimmern und verleihen so dem Werk ebenfalls Tiefe. Sichtbar sind die Wachsstrukturen nur aus der Nähe. Angelika Biber bedient sich hierbei sowohl natürlicher (z. B. Bienenwachs) wie auch synthetischer Wachse. So entstehen sehr feine Schichten, die auch das Collagieren von farbigen Papieren erlauben.

Angelika Biber, Collage mit Rost und Wachs 1
Angelika Biber, "Collage mit Rost und Wachs 1“, Acryl farbe mit Rost, Wachs, Pigment und Grafitstift, 25 x 25 cm, 2019.
Angelika Biber, Collage mit Rost und Wachs 2
Angelika Biber, "Collage mit Rost und Wachs 2“. Acrylfarbe mit Rost, Wachs, Pigment, Grafitstift und Ölkreide, 25 x 25 cm, 2019.

Prozessorientierte Motive und Naturthemen

Ein konkretes Motiv entwickelt sich bei Angelika Biber häufig erst im Prozess. Da sie gerne in der Natur unterwegs ist, erhält sie einen großen Teil ihrer Inspiration von dort. Der Bogen ihrer Motive reicht von abstrakten Serien bis hin zu abstrahierten Naturdarstellungen. Florales und Figürliches entstehen spontan und teils farblich verfremdet. Die Spannung des Motivs verstärkt sie dabei häufig durch den besonderen Duktus der Linie.
Dabei geht es der Künstlerin nicht um eine erkennbare Abbildung. Vielmehr erfasst sie mit ihrer Arbeitsweise typische Besonderheiten der Oberfläche oder eine bestimmte florale Anordnung. Ihre ausdrucksstarken Kompositionen überzeugen durch Fläche, Linie und Struktur.
Diese offene Herangehensweise ermöglicht einen freien Malstil, der offen ist für den eigenen Ausdruck und die individuelle Interpretation des Gesehenen. Das fertige Werk muss sich an nichts messen lassen, außer vielleicht an der Freude, die man beim Malen empfindet. Kunst macht glücklich! 

Dieser Artikel erschien zuerst auf KUNSTschoen.de, dem Blog für Kunst, Malen und Zeichnen. Dieser Blog  ist sehr inspirierend, neben den Künstlerportraits gibt es auch u.a. die Rubriken "Atelier-Wissen", "Inspiration", "Schöne Bücher" und Malanleitungen zu verschiedenen Techniken. Absolut empfehlenswert!

Vielen Dank für die schöne Kooperation an Britta Sopp und Tina Bungeroth von KUNSTschoen und dafür, dass ich den Text von Frau Sopp als Beitrag übernehmen durfte.

Viel Freude bei allen Experimenten, lass Farbe fließen

Angelika

2 Kommentare

  1. Dietrich
    26. Juni 2019

    Hallo Angelika, bin über die Suche nach Kreativ und Dünnwald Deine Seite gekommen.
    Schöne Bilder 🙂

    Wie Du die Kunst als Prozess und Experiment begreifst, mit Schichten arbeitest und dabei den Gefühlen folgst, gefällt mir sehr gut.

    Ich hatte eine Phase nach einem Burnout, in dem ich auch viel gemalt habe, und auf ähnliche Art, wie Du.
    Mir war es damals wichtig, einfach meinen Emotionen und Stimmungen zu folgen, ohne dem inneren Kritiker dabei Raum zu geben. Es hat mir sehr geholfen, spontaner und einfach mehr ich selbst zu sein .

    Alles Gute

    Antworten
    1. Angelika Biber
      27. Juni 2019

      Hallo Dietrich, vielen Dank für Dein Feedback 🙂 Du schreibst, Du hattest eine Zeit, in der Du viel gemalt hast. Auch das künstlerische Arbeiten geht in Wellen d.h. es ist nicht immer gleich intensiv. Aber sehr hilfreich ist auch, wenn es gelingt, auch in „alltäglichen“ Zeiten Raum dafür zu schaffen.
      Viele liebe Grüße, Angelika

      Antworten

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