6 Tipps die deine Intuition stärken und dich kreativer machen

Häufig kommen Menschen in meine Kurse, die lernen möchten, freier zu malen. Sie möchten lockerer werden und mit mehr Leichtigkeit an die Bildergebnisse kommen. Sie müssen im Alltag durch Beruf und Familie funktionieren und sind deswegen gewohnt, dass der Verstand die Führung übernimmt und sich dabei so breit macht, dass die Intuition kein Platz hat. In letzter Zeit habe ich wieder häufiger vom „Bauchgefühl“ gelesen, das idealerweise dem Verstand zur Seite gestellt wird. Das Bauchgefühl kann dir blitzschnell zu Entscheidungen verhelfen, ohne dass der Verstand alle Informationen stundenlang abwägt.

In der Malerei hilft es dir oft nicht weiter, wenn du nur im „Kopf“ bist. Warum?

Auch wenn du alle Kompositionsregeln perfekt beherrscht und anwendestenfehlt dem Bild vielleicht dennoch die Leichtigkeit, der spezifische Schwung oder der Störer, der das ganze erst so richtig lebendig und individuell macht. Häufig finde ich sogar Bilder erst interessant, wenn die Kompositionsregeln ein wenig auf den Kopf gestellt werden.

Das Bauchgefühl kann sich aus der Erfahrung heraus entwickeln. Meiner Meinung nach ist es gut, wenn das Wissen eine Etage tiefer rutscht und du eher „spürst“ was als nächstes kommen soll. Du bist dann in der Lage, frei mit diesen Regeln zu spielen und gewinnst Leichtigkeit, aber auch eigene Klarheit, weil du dich nicht an die Kompositionsregeln klammerst und darin verbeißt.

 

Wie kommst du nun aus dem Verstand in das Gefühl, in deine Intuition?

  • Eine gute Idee ist es, alle Sinne beim Malen zu öffnen: Wirklich aufmerksam hinzuschauen ist schon eine Kunst, die deine Wahrnehmung stärkt. Aber auch die anderen Sinne wie Hören, Schmecken, Riechen, Fühlen können dir helfen, weniger aus dem Verstand heraus zu arbeiten. Jetzt fragst du dich vielleicht, was das jetzt soll? Warum kann für Maler/innen das Hören wichtig sein?Ich denke all das ist gut, um sensibler wahrzunehmen. Es gibt Menschen, die ihre Informationen überwiegend mit den Augen aufnehmen, aber auch Menschen, die auditiv orientiert sind. Andere wieder müssen etwas betasten, um zu spüren, was damit los ist.
    Also: Wie hört es sich an, wenn die Farbe auf der Leinwand verzogen wird? Raschelt der Pinsel? Wie riecht das Material, mit dem du arbeitest? Spürst du den Druck mit dem du dein Malwerkzeug führst und wie fühlt es sich in deiner Hand an?
    Um deine Möglichkeiten zu erweitern ist es super, wenn auch die weniger ausgeprägten Sinne etwas zu tun haben. Und weil „Schmecken“ beim Malen wirklich schwierig ist, gibt es deswegen im Atelier bei ganztägigen Kursen ein leckeres Mittagessen, das alle Sinne stimuliert 🙂

 

  • Verknüpfung von linker und rechter Gehirnhälfte
    Auch wenn sich Wissenschaftler nicht einig sind, ich bin davon überzeugt: Durch die Aktivierung beider Gehirnhälften kannst du ganzheitlich kreativ sein.
    So soll die linke Gehirnhälfte unter anderem für die rationale Aufgabenbewältigung zuständig sein. Ihr werden logische Fähigkeiten, Zahlen, Sprache, Fakten zugeschrieben. Sie hat analytische Tendenzen und mag Ordnung.
    Die rechte Gehirnhälfte steht eher für Phantasie, Rhythmus und Gefühle. Sie soll spontan, kreativ, intuitiv und visuell ausgeprägt sein und mag auch Chaos.
    Durch das Vernetzen der beiden Hälften kannst du von beiden Seiten profitieren. Das geht z.B. durch beidhändiges Arbeiten z.B. mit 2 Stiften in der rechten und linken Hand, um dich einzuzeichnen (auch über Kreuz). Außerdem kannst du versuchen, Aufgaben einmal anders als gewohnt anzugehen: z.B. die nicht geübte Hand zu verwenden, um du malen oder zu zeichnen. Dann trainierst du auch die weniger ausgeprägte Gehirnhälfte.

 

  • Ich bin ein Bewegungsmensch. Obwohl ich auch „das Liegen“ in allen Variationen mag (auf dem Sofa, in der Hängematte, im Bett, am Strand) gelingt mir ein Perspektivwechsel oft erst durch Bewegung. Auch kann ich durch Bewegung besser entspannen als durch absolute Ruhe. In Ruheposition kreisen die Gedanken in meinem Kopf um so mehr, durch die Bewegung aber spüre ich meinen Körper und der Geist gibt Ruhe!
    Versuch doch mal, während des Malprozesses nicht nur zu sitzen oder an einer Stelle zu stehen. Komm in die Bewegung, gehe um den Tisch oder die Staffelei herum oder lege das Bild auf den Boden, damit du mit mehr Schwung arbeiten kannst. Du wirst sehen, wie sich der Ausdruck im Bild verändern wird.

 

  • Kannst Du nur arbeiten, wenn dir danach ist oder wäre es hilfreich wenn du dir Gleichgesinnte suchst, mit denen zu regelmäßig zusammen kommst und dran bleibst, weil das gemeinschaftliche Erleben in der Gruppe dich inspiriert?
    Oder geht es besser, wenn du Ruhe hast, allein bist und du dich ganz auf dich selbst konzentrieren kannst? Probiere aus wie sich dieser Aspekt auf deine Malerei auswirkt.

 

  • Wie muss der Raum sein, damit du dich wohlfühlst und du in eine gute Malstimmung kommst? Musst du abdecken oder Platz machen um ungestört arbeiten zu können? Wie müssen die Geräusche sein, wie das Licht? Inspiriert dich Musik oder öffnen Düfte deine Sinne? Das alles kann dir dabei helfen, das Denken für einen kurzen Augenblick in den Hintergrund treten zu lassen.

 

  • Stress und zu wenig Zeit killen die Kreativität, ebenso wie ein zu starker innerer Kritiker und Erwartungsdruck (auch der anderer Leute). Ebenso Ablenkung. Schalte das Telefon auf leise, wenn du ins Atelier gehst, damit du dich auch wirklich auf das „Spüren“ einlassen kannst!

 

In einem meiner letzten Wochenkurse hatte ich eine Teilnehmerin, deren Intellekt die weitere Vorgehensweise im Bild zunächst „verstehen“ wollte und die viele viele Schritte im Voraus dachte. Nach einiger Zeit kam der Spruch: „Ich mach einfach mal!“ Da wusste ich, sie ist bereit, den Verstand ein wenig zurück zu stellen und sich ins Ungewisse und Unerwartete zu wagen. Und ich durfte sie bei diesem wichtigen Schritt begleiten!

 

Viel Freude bei allen Experimenten,

lass Farbe fließen,

Angelika

 

 

 

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