8  Tipps, wie du die Tiefe im Bild steigern kannst.

Immer wieder stellen mir Teilnehmer die Frage, wie sie mehr Tiefe im Bild erzeugen können. Wenn Du weißt, wie es funktioniert, ist es gar nicht schwer, mit der Tiefe im Bild zu spielen. Ich verrate dir nun ein paar Tricks, wie es ganz einfach gelingt, den Blick in die Tiefe zu ziehen.

 

1. Verschiedene Farbqualitäten verwenden

Eine ganz einfache Möglichkeit Tiefe zu vermitteln ist, Farbqualitäten gezielt einzusetzen. Mit Hilfe der Farbperspektive simulierst du räumliche Tiefe, die ja praktisch gar nicht da sein kann, da dein Maluntergrund nur zweidimensional ist. Eine Farbperspektive kannst du erzeugen, indem du die warmen, reinen Farben im unteren Bildteil aufträgst und die kalten, gebrochenen Farben im hinteren Bildteil.  Alle Farben die bläulich, gräulich und heller sind, gehen optisch in die Tiefe.

Wenn du nur mit reinen Farben im Bild arbeitest, hast du weniger Tiefe, weil reine Farben alle gleichermaßen nach vorne wollen. Bei Mischtönen (z.B. mit Weiß aufgehellt oder eingetrübten bzw. gebrochenen Farben) und der gleichzeitigen Verwendung von reinen Tönen ordnet sich jede Farbe unterschiedlich in die Tiefe.

Wichtig ist dabei, die Farbqualitäten der verwendeten Farbtöne im Bild zu einander zu beurteilen. Ein reines, strahlendes Blau kommt optisch mehr nach vorne als ein etwas schmutzig wirkendes Pastell-Rosa.

Im unterstehenden Beispiel habe ich die Töne absichtlich umgedreht, d.h. das Grau nicht wie gewohnt in den Hintergrund gelegt sondern in den Vordergrund und den Himmel in einem leuchtenden Rot gestaltet. Der Himmel, der weiter weg ist und normalerweise blasser wäre, springt dem Betrachter durch diese Farbwahl entgegen.

2. Groß und klein

Die Größe der Elemente und der Anordnung dieser Formen im Bild spielen ebenfalls eine Rolle. Perspektive bedeutet, dass Formen, die größer sind, dem Vordergrund zugeordnet werden und kleinere Formen in den Hintergrund gehen.  Durch das bewusste Einsetzen dieser Größenunterschiede (unten auf dem Malgrund große Formen und oben auf den Malgrund die kleineren) wird Tiefe erzeugt. Zum Horizont verdichten sich also die Formen und Linien. Und wenn du jetzt dabei noch die Erfahrungen aus Punkt 1 anwendest, bist Du einen ganzen Schritt weiter.

3. Harte Kanten und weiche Übergänge

Eine Form, die scharf abgegrenzt ist, kommt mehr in den Vordergrund als eine Form, die weich in den Hintergrund übergeht.  Wenn du beide Elemente im Bild verwendest, erzeugst du ebenfalls Tiefe. Das kommt durch unsere gewohnte Seh-Erfahrung. Durch die Atmosphäre wirken Flächen, die in der Ferne, sind nebliger und nicht so scharf abgegrenzt (daher kommt auch die Farbperspektive) als Flächen, die im Vordergrund stehen.

4. Strukturen und glatte Flächen

Wenn du nun Flächen anlegst, solltest du bedenken, dass Strukturen ebenfalls mehr nach vorne gehen als glatte, ruhige Farbübergänge. Auch hier gilt: Verwendest du beides im Bild, erzeugst du Tiefe.

5. Überlagerte Formen

Formen, die sich überlagern, bringen Tiefe ins Bild, weil du mit jeder Form eine weitere Ebene hinzufügst. Weiter verstärken kannst du diese Wirkung, wenn im Vordergrund Formen so groß sind, dass sie angeschnitten sind und nicht ganz aufs Bild passen. Im Bildbeispiel unten überlagern die Bäume den Horizont und die Flächen des Schattenwurfs. Wäre kein waagerechter Horizont sichtbar, so wäre die Tiefe im Bild geringer.

6. Deckende Farbe und Transparenzen

Du hast bestimmt schon mal gesehen, dass Bilder, die nur mit dick aufgetragener Farbe gearbeitet sind, plakativer wirken und weniger Tiefenwirkung haben.

Diesen Umstand kannst du bewusst einsetzen, in dem du neben den deckenden, pastosen Farben auch stellenweise transparente Lasuren verwendest. Der Betrachter erkennt, dass weitere Schichten unter der zuletzt Gemalten liegen und durchscheinen. Jede weitere transparente Schicht bringt mehr Tiefe ins Bild.

7. Bildformat

In vielen Büchern kannst du lesen, dass du für Landschaften Querformate bevorzugen solltest. Das sehe ich anders. Bei einer Landschaft im Hochformat kannst du die Tiefe betonen, einfach weil du mehr Platz hast, den Blick in die Tiefe zu führen. Ein Querformat betont eher die Weite der Landschaft. Es kommt also bei der Formatwahl darauf an, welche Wirkung du erzielen möchtest. Die Tiefe im unten stehenden Beispiel ist weniger stark, zum einen Durch die Formatwahl, aber auch durch die stark strukturierte Himmelsfläche, die mit dem intensiven Rot des Vordergrundes konkurriert.

 

8. Diagonale Linienführung

Wenn du diagonal angeordnete Pinselstriche ins Bild einbaust, die sich hinten im Bild zentrieren, zieht es dich förmlich in die Tiefe. Und wenn an dieser Stelle dann auch noch starke Kontraste zu sehen sind, unterstützt du diesen Effekt.

 

Kurz gesagt: Eine Kombination aus Elementen, die nach vorne kommen und die nach hinten gehen und die passende Platzierung im Bild bringt die Tiefenwirkung. Prüfe immer, ob die Platzierung, die Größe und die Farbigkeit des Elementes die Tiefenwirkung unterstützen oder sich die Wirkung aufhebt.

Es macht die Malerei so spannend, dass wir dabei kein fertiges Kochrezept  verwenden können, sondern die Komponenten der Bildgestaltung immer wieder anders sind. Es ist ein Spiel der Möglichkeiten. Probiere es aus!

Viel Freude bei allen Experimenten, lass Farbe fließen,

Angelika

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Scroll to top