Wie erreichst du Leichtigkeit im Bild?

Malen locker und leicht

Vor einigen Jahren habe ich mit sehr viel Material auf meinen Bildern gearbeitet. Strukturmassen und Pasten, Bitumen, Marmormehlschüttungen und dicke rostige Flächen. Gerne Materialien mit „Eigenleben“. Dicke Materialschichten allerdings wirken häufig schwer. Aber das ist es nicht alleine. Es hängt auch von der Bemalung ab, wie die Gestaltung in deinem Bild wirkt. Im Laufe der Jahre haben sich meine Arbeiten verändert, sie sind von der Anmutung her immer leichter geworden. Zunächst unbewusst, dann bewusst eingesetzt. Ich arbeite immer noch gerne in verschiedenen Techniken und mit den unterschiedlichsten Materialien. Häufig genügen mir allerdings heute Pinsel, Farbe und ein paar Stifte.

Was ist wichtig, damit Bilder Leichtigkeit und Lockerheit ausstrahlen?

1. Transparenzen
Vielleicht liegt es daran, dass ich viele Jahre überwiegend aquarelliert habe, aber auch mit Acrylfarbe arbeite ich gerne verdünnt. Ich lasse die Farbe laufen und fließen, benutze flüssige Tusche, damit die Farbschichten natürlich ineinander laufen. Sie ergeben transparente, durchschimmernde Flächen. Transparenzen bringen zugleich Tiefe ins Bild. Auch mit unverdünnter Acrylfarbe kannst du durchscheinend arbeiten, z. B. mit einer Linolwalze. Auf diese Art und Weise kannst du Überlagerungen im Bild schaffen, d. h. große und kleine Formen mixen und übereinander gelagert verwenden.

2. Lockerer Pinselduktus
Ein lockerer Pinselduktus trägt maßgeblich zur Leichtigkeit im Bild bei. Dabei versuche ich immer auszuloten, wieviel Unruhe das Bild dabei haben darf. Ich kombiniere die strukturierte, mit viel Pinselspur gesetzte Fläche auch mit ganz ruhigen Elementen, mit wenig erkennbarer Pinselspur.

3. Linienspiel
Luftig gezeichnetes Linienspiel bringt ganz viel Leichtigkeit ins Bild, besonders wenn die Linien zart oder mal dicker und dünner sind. Zudem ist dies eine Möglichkeit, die Kontraste in deinem Bild zu stärken.

4. Organische, natürlich entstandene Formen
Eine geometrische Darstellung wird in den allermeisten Fällen konstruiert und und unlocker wirken. Deswegen verwende ich organische Formen, die entstehen. Entweder durch malerisches und „intuitives Pinselschwingen“ oder durch Techniken, in denen die Formen natürlich entstehen, wie z. B. Schüttungen oder Auswaschungen.

 

5. Dynamische Anordnung
Weniger statische Anordnungen suchen, sondern auch mit Diagonalen arbeiten, also nicht nur Senkrechte und Waagerechte Anordnungen verwenden. So kannst du schon alleine durch die Platzierung der Elemente eine andere Wirkung erzielen.

6. Farbgebung
Nicht zuletzt ist die Farbgebung wichtig, ob dein Bild leicht wirkt oder schwer. Pudrige Pastelltöne oder aufgehellte, gemischte Farben haben eine leichtere Wirkung wie reine Farben, die eher plakativ wirken.

Letztendlich ist es aber auch eine Frage der Persönlichkeit, mit welchen Möglichkeiten der Bildgestaltung du dich wohl fühlst. Jeder hat da eigene Vorlieben. Bei mir ist es so, dass die Reduktion der Materialien mehr und mehr Raum für meine eigene malerische Handschrift lässt. Sie bremst mich weniger, sondern lässt die Bilder mit Leichtigkeit entstehen. Das ist sicht- und spürbar.

Mehr zu Leichtigkeit im Bild und weiteren Kompositionsregeln findest du in meinem neuen Ebook: Komposition, Spiel mit Farbe, Form und Kontrast.

Viel Spaß bei allen Experimenten.

Lass Farbe fließen,

Angelika

6 Kommentare

  1. Evi Forster
    26. April 2020

    Hallo Angelika,
    Ich bin begeistert ! Selber bin ich ziemliche Anfängerin. Ihre/deine Arbeiten und der Blog fesseln mich ! Ich werde dran bleiben und mich – wenn es meine Zeit zulässt – tiefer in ihre/deine home-page einlesen und die Tipps aufsaugen.
    DANKE :-)) Evi

    Antworten
    1. Angelika Biber
      26. April 2020

      Hallo liebe Evi, danke für deine wunderbare Nachricht. Es freut mich immer sehr, wenn meine Inhalte hilfreich sind. Das motiviert mich, weiter zu machen! Viel Freude beim lesen und „aufsaugen“ 😉
      Ganz liebe Grüße von Angelika

      Antworten
  2. Kristina
    30. April 2020

    Liebe Angelika,
    Dein Text über Leichtigkeit kommt genau richtig und ist wieder sehr hilfreich. Ich beschäftige mich nämlich gerade mit transparenter Technik. Dabei fiel mir auf, dass die Farbqualität dabei auch sehr wichtig ist. Markennamen will ich hier nicht nennen, aber da habe ich deutliche Unterschiede in der Klarheit der Farben festgestellt. Wenn der Untergrund durchleuchten soll, braucht man mehr Pigmente, finde ich.
    Was ich noch nicht gelöst habe, ist die Streifigkeit des Pinselstrichs, wenn die Farbe wässrig ist. Sowohl Ziegenhaar- als auch Kunststoffpinsel hinterlassen Streifen beim Auftrag. Wie kann man das vermeiden?
    Liebe Grüße
    Kristina

    Antworten
    1. Angelika Biber
      30. April 2020

      Hallo liebe Kristina, ja, dass stimmt! Die Farbhersteller verwenden alle sehr unterschiedliche Pigmente. Da musst du im Einzelfall schauen, was du genau vorhast. Und auch die einzelnen Farbtöne sind anders von der Qualität her, auf die Möglichkeiten zum transparenten Arbeiten bezogen.
      Wenn Farben Weißanteil haben, wirken sie auch nicht so strahlend und klar, auch bei Lasuren.

      Versuche einmal von der verdünnten Farbe nur wenig auf den Pinsel zu nehmen. Bei mir klappt das am besten mit einem breiten Borstenpinsel. Je nasser, desto mehr Streifen, auch bei der Lasertechnik. Also einen trockenen Pinsel mit etwas Lasur befeuchten, Farbe aufstreichen (kreuz und quer). Normalerweise klappt das schon gut. Wenn die Farbe dennoch streifig ist, kurz vor dem völligen Antrocknen noch einmal ganz leicht mit einem trockenen weichen Pinsel darüber gehen. Dann müsste es passen.
      Noch ein Tipp: Wenn du schon viele Farbschichten gemalt hast, dann ist der Untergrund versiegelt und die Fragen ziehen nicht so gut ein. Auch das gibt Streifen. In diesem Falle mit Gesso oder Wandfarbe grundieren, damit du wieder einen saugfähigen Untergrund erhältst. Viel Spaß beim Ausprobieren!

      Liebe Grüße, Angelika

      Antworten
  3. Gila Czerny
    1. Mai 2020

    Liebe Angelika, ich danke Dir für die „Leichtigkeit“, die du mir ins Atelier bringst. Ich freue mich sehr über deine Ausführungen. Sie helfen mir weiter und machen Freude. Ich denke immer wieder an einen Satz von Dir: so ungefähr „die Malerei soll Freude machen.“ Das denke ich oftmals beim Pinselschwingen, besonders dann, wenn ich mich verhakele.

    Ja, diese Zeit mit Corona ist schwierig. Es hat sich jedoch etwas bei mir verändert: anfänglich erlebte ich eine Art Hügelfahrt (Berg und Tal wäre zu krass ausgedrückt). Mit der Zeit bin ich jedoch wirklich mehr in Ruhe gekommen. Ich gönne mir Zeit. Mein Tag ist ebenfalls strukturiert durch Radfahren, beim Bauern in Ruhe einkaufen, im Atelier arbeiten, ….mein Garten macht mir Freude und, neuerdings auch wieder mein wunderbares Enkelkindchen. Ich erlebe wirklich Entschleunigung. Hüte mich vor zu vielen Nachrichten und Informationen. Mir geht es gut und ich fühle mich wohl und bin dankbar, weil ich den Kunsthof und mein Atelier habe. Mir ist sehr bewusst, dass ich in einer privilegierten Situation lebe. Keine finanziellen Sorgen habe, wie viele andere.

    Alles Gute weiterhin für dich und…..bis “ die Tage“. Es wird wieder.
    Gila. Und….schönenerstenmai.

    Antworten
    1. Angelika Biber
      1. Mai 2020

      Liebe Gila, sehr sehr gerne 🙂 Mir geht es ähnlich wie dir. Wie schön das mein Beitrag positive „Schwingungen“ bringt.
      Ganz liebe Grüße, Angelika

      Antworten

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