Was war, was kommt oder das Hier und Jetzt?

Was uns ein künstlerischer Rückblick bringen kann

Im Moment ist die Zeit der Rückblicke. Ich bin ja nicht unbedingt ein Fan davon. Egal ob in den Medien, meiner Foto-Libary oder persönlich, überall begegnen uns die Zusammenfassungen des letzten Jahres. Ich versuche jedoch mehr und mehr im Augenblick zu sein. Dennoch schweife ich häufig schon mal in die Vergangenheit oder in die Zukunft ab. Nicht nur aus beruflichen Gründen.

Früher habe ich Ende des Jahres immer meine Planung für das nächste Jahr gemacht. Neue Konzepte geschrieben, neue Projekte angedacht und zugleich auch resümiert, wie das ausklingende Jahr gewesen ist. Nun hat sich das Ganze weiter verschoben, da die Termine immer früher festgelegt werden und ich plane schon Mitte des laufenden Jahres für das Folgende. Aber in diesem Jahr ist alles anders. Durch die unfreiwillig freie Zeit werde ich wohl doch dazu kommen, ein weiteres Mal in mich zu gehen, um nachzuspüren wie mein Jahr war, und wie mein nächstes Jahr werden soll (zumindest in den Teilen, in denen ich Einfluss darauf habe 😉

Eines der ganz frühen Werke 😉 im zarten Alter von 15 Jahren gezeichnet

Ich habe mein Leben lang gestalterische Berufe ausgeübt. Da kommt eine ganze Menge Material zusammen, Skizzen, Entwürfe, Farbstudien, Bilder und und und. Zum Ende meines Design-Studiums hatte ich eine gefühlt zentner-schwere Mappe in DIN A 0 (Oh ja, Papier ist ganz schön schwer), von der ich mich nicht trennen konnte. Diese Sammlung musste bei jedem Umzug die Treppe heruntergewuchtet werden, sehr zur Erheiterung des Umzugsteams, bestehend aus den besten Freunden. Es war später ein Running-Gag, wer sich ganz zum Schluss des Umzuges noch dieser Mappe erbarmt. War wie eine Art Krafttraining. Dann verschwanden die Bilder wieder unter dem Bett, um sie erst beim nächsten Umzug wieder hervor zu holen. Beim vorletzten Umzug dann hatte ich das Gefühl, ich müsse die Vergangenheit ziehen lassen und mich mehr nach vorne zu orientieren. Deswegen habe ich nur ein paar wenige ausgewählte Arbeiten von damals übrig gelassen, als Erinnerung. Allerdings kommen ja praktisch täglich wieder welche dazu… Hier siehst du eine Auswahl davon...

Graukreiden-Studie ca. 1981

Bist du Team „Ich schwelge häufig in Erinnerungen“ oder eher „Ich mache ganz viele Pläne für die Zukunft“? Zugegeben ist das an diesem Jahreswechsel schwierig, denn es gibt besonders viele unbekannte Faktoren. Vieles jedoch liegt absolut in unserer Hand. Wie wir unser Leben gestalten, was uns wichtig ist. Damit meine ich auch die kleinen Dinge, die in der Summe eine große Auswirkung haben. Wie eben so eine Bildermappe, über die Jahre angesammelt. Blatt für Blatt, Skizze für Skizze.

Zeichnung - Strukturstudie mit Bleistift, ca. 1982 Meine Güte, da war ich aber geduldig...

Und da hilft dann doch der Rückblick ganz gut, damit klar wird, wie die Prioritäten liegen. Er kann auch eine Chance sein, zu entdecken, was du in künstlerischer Hinsicht bisher erreicht hast. Falls du deine Bilder datierst, kannst du ja schön nachvollziehen, wie du dich entwickelt hast. Hast du zwischendrin das Genre gewechselt? Hast du früher gegenständlich gearbeitet und nun abstrakt? Hast du andere Farbvorlieben als früher? Bist du freier geworden? Hast du deinen Malstil perfektioniert und kannst nun realistischer abbilden? Gibt es alte Arbeiten, die deine Persönlichkeit wiederspiegeln und zu denen du immer noch 100% stehst? Oder bist du mittlerweile an einem ganz anderen Punkt deiner Entwicklung als früher?

Auf jeden Fall kannst du im Laufe der Jahre sehen, dass doch eine ganze Menge zusammengekommen ist, auch wenn du gefühlt selten Zeit für deine Kunst hast.

Studien mit Tusche und Zeichenfeder 1982  

Bei mir ist das so: Es gibt einige Bilder und Zeichnungen, von denen ich mich meilenweit weg entwickelt habe, aber auch einige, bei denen ich denke: Wouw, das hast du vor 15 Jahren gemalt? Ist ja immer noch toll…

Portrait mit Gouachefarben, gemalt während meines Studiums ca. 1985

Nicht nur in Hinblick auf deine Arbeitstechnik ist es interessant, ab und zu mal zurückzublicken, auch in Hinblick auf die Themen, mit denen du dich beschäftigt hast, ist es spannend. Besonders toll ist es, die alten Skizzenbücher durchzublättern und gedanklich wieder an die Orte zu reisen, an denen ich damals war. Ich kann auch gut daran ablesen, in welcher Verfassung ich zum betreffenden Zeitpunkt war. Eine sehr detailliert gezeichnete Stadtansicht spricht für meinen Entspannungszustand im Urlaub.

Wie sieht dein persönlicher kreativer Rückblick aus? Gibt es Dinge zum Schmunzeln? Arbeiten, die dich stolz machen? Längst Vergessenes?

 

Selbstportrait 1987. Damals trug ich einen Mecki und lila Latzhosen 😉

 

Textiler Stoff-Entwurf aus dem Studium. Wie an den Farben unschwer zu erkennen aus den 80igern (wohl ca 1985)

Wenn du dir deine Werke anschaust, kannst du dir anschließend auf die Schulter klopfen. Du hast dir im Laufe der Jahre die Zeit genommen, diese Arbeiten anzufertigen. Immer und immer wieder. Und es ist ganz egal, wohin du dich künstlerisch entwickeln möchtest, du hast auch schon eine ganze Strecke zurückgelegt. Hast gelernt, hast dich verändert. Bist dran geblieben. Darauf kannst du stolz sein und du kannst dich bei dir selbst bedanken, denn es ist dir wichtig, die Zeit mit dir und deiner Kreativität zu verbringen. Das kann dir keiner mehr nehmen, egal was das Morgen bringt, nicht wahr?

Essen ist im Urlaub immer ein ganz wichtiges Thema... hier habe ich die Feigen aquarelliert, die wir nach einem opulenten Mahl vom Wirt auf Zakynthos geschenkt bekamen. Gemalt 2003

 

Aquarell auf Rügen, Pfingsten 2007

 

Skizze aus Paros, Griechenland, 2010 Erinnerungen an einen wunderbaren Urlaub

Ein weiterer kleiner Einblick in meine Skizzenbücher. Auch wenn ich immer das Gefühl habe, dafür zu wenig Zeit zu haben, ist doch schon ein großer Stapel zusammen gekommen.

Ich hoffe, ich hab dich mit meiner Zeitreise ein wenig erheitert und bestärkt, dein Schaffen wohlwollend zu betrachten und weiter zu machen.

Alles Liebe, viel Freude bei allen Experimenten,

lass Farbe fließen

Angelika

P.S. Da es dieses Jahr zu Sylvester kein Feuerwerk gibt, habe ich dir mal eins gemalt. Ist auch ökologisch vertretbar und versetzt ebenfalls die Tierwelt nicht in Panik, ist also unbedenklich zu genießen 🙂

14 Kommentare

  1. K
    28. Dezember 2020

    Toll, deine frühen Bilder, liebe Angelika. Und danke, dass du sie mit uns teilst.
    Sicher wirst du kreativ und mit Tatendrang ins neue Jahr gehen. Ich wünsch dir das Allerbeste dafür.
    Liebe Grüße
    Kristina

    Antworten
    1. Angelika Biber
      29. Dezember 2020

      Sehr gerne, liebe Kristina. Ich wünsche dir auch viel Energie für 2021, die du sicher teilweise kreativ am Küchentisch oder an deinem Atelierplatz verbringen wirst. Gutes Gelingen dabei und ganz liebe Grüße
      Angelika

      Antworten
  2. Bruni Schernus
    29. Dezember 2020

    Hallo liebe Angelika,
    das hat wieder richtig Spaß gemacht! So eine Rückschau ist wirklich super interessant. Da kann ich mich meiner Vorgängerin nur anschließen – danke, dass du die Bilder mit uns teilst. Und vielen Dank für das tolle Feuerwerk 😉
    Ich wünsche dir einen guten Rutsch und ein glückliches, kreatives neues Jahr und freue mich auf ein Wiedersehen!
    Bis dahin alles Liebe und Gute
    Bruni

    Antworten
    1. Angelika Biber
      30. Dezember 2020

      Liebe Bruni, wie schön 🙂 Sehr gerne habe ich die Bilder mit euch geteilt, ich habe sie selbst lange nicht mehr hervorgeholt.
      Wir hoffen nun alle auf 2021 und das wir dann wieder gemeinsam malen können, nicht wahr?
      Ganz liebe Grüße, Angelika

      Antworten
      1. Claudia Groh
        3. Januar 2021

        Prösterchen und Trösterchen hier für/an Alle
        Toll dieser unterhaltsame Rückblick, hat mir ein Lächeln gezaubert
        Ich vermisse dich liebe Angelika und deine so herzliche Art sehr und freue mich mega darauf, den „weiten“ Weg zu dir zu fahren und fröhlich und durch dich unterstützt und motiviert wieder zu malen. Malen und Musik ist gut für die Seele und dann deine Farben um mich herum (auch bei mir zu Hause) lassen doch positiv und optimistisch ins neue Jahr starten❣️
        In diesem Sinne, tolle Seite, liebe Grüße aus Krefeld und lass fließen
        Claudia

        Antworten
        1. Angelika Biber
          3. Januar 2021

          Hallo liebe Claudia, wunderbar, ich freue mich über deinen positiven Kommentar 🙂 Wie schön, dass dich meine malerischen Anfänge zum Lächeln bringen konnten. Ich hoffe ebenso wie du auf gemeinsames Malen im Atelier! Bis dahin, ganz liebe Grüße, Angelika

          Antworten
  3. Hanna Punte
    29. Dezember 2020

    Liebe Angelika, ich finde deine vielen frühen Werke auch ganz toll! Ich gehe selber auch gerne mal zurück in die kreativen Anfangszeiten, das war 1992. Das macht immer großen Spaß und ich kann mich dann sehr oft ganz genau an die Situation erinnern, in der das Bild entstanden ist.
    Dieses Jahr fehlte mir der kreative Schub…. coronabedingt. Ausstellungen mußten abgesagt werden, viele Ateliertreffen und kreativer Austausch konnten nicht stattfinden.
    Darum hoffe ich sehr, wie wir alle, daß es im nächsten Jahr wieder besser wird und die Freude am Malen mit enormem Schwung zurück kehrt!

    Vielen Dank für deine wunderbaren blogartikel und damit Motivation aus der Ferne 😉

    Alles Gute für dich im neuen Jahr und vielleicht auf bald mal wieder —

    liebe Grüße
    Hanna

    Antworten
    1. Angelika Biber
      30. Dezember 2020

      Liebe Hanna, danke schön für deine lieben Zeilen. Das kann ich gut verstehen, dass die Situation dich im Augenblick bremst, aber solche Durststrecken gibt es ja immer wieder mal, aus den unterschiedlichsten Gründen. Mir ist aufgefallen, das ich in den 90igern eine große künstlerische Lücke habe. Das lag an meiner derzeitigen Lebenssituation: Haus gekauft und renoviert, Kinder bekommen, als Grafikerin gearbeitet. Irgendwie war da wohl keine Zeit mehr übrig. Aber in der Rückschau ist diese Lücke gar nicht mehr sooo wichtig, denn anschließend bin ich wieder voll durchgestartet. Ich wünsche dir, dass es dir im nachten Jahr auch so ergeht! Ganz liebe Grüße, Angelika

      Antworten
  4. Beate Braun
    29. Dezember 2020

    So schön, liebe Angelika!
    ich wünsch dir einen guten Rutsch und ja, lass es krachen!
    Ich freu mich bald mal wieder mit dir zu malen!
    Liebe Grüße
    Beate

    Antworten
    1. Angelika Biber
      30. Dezember 2020

      Danke, liebe Beate! Ich hoffe sehr, dass im nächsten Jahr wieder gemeinsame Kreativität möglich ist und wir uns sehen,
      bis dahin lieben Gruß, Angelika

      Antworten
  5. Christa Smolka-Venzke
    4. Januar 2021

    Liebe Angelika,

    danke für dein tolles Feuerwerk und deine immer inspirierenden Tipps. Darüber habe ich mich gefreut. Möge das Leben sich bald wieder lebendiger anfühlen und Begegnungen nicht gefährlich, sondern bereichernd sein.
    In diesem Sinne wünsche ich dir ein gesundes, kreatives und glückliches 2021
    Liebe Grüße
    Christa

    Antworten
    1. Angelika Biber
      4. Januar 2021

      Liebe Christa, lieben Dank für deine Nachricht, all das wünsche ich dir auch. Ich hoffe ebenso wie du, dass wir bald wieder zur Normalität zurückkehren werden, auch wenn diese Krise uns und unsere Sichtweise stellenweise bestimmt verändert hat.
      Ganz liebe Grüße, Angelika

      Antworten
  6. Karin Voges
    12. Januar 2021

    Ich finde das auch sehr schön, dass du solche privaten vergangenen Mal-Moment zeigst. Das läd mich ein, auch mit
    so einer Gelassenheit Vegangenes anzuschauen und nicht immer mit dem Auge „des noch zu Verbessernden“ zu schauen.
    Vielen Dank dafür

    Antworten
    1. Angelika Biber
      12. Januar 2021

      Sehr gerne, liebe Karin 🙂 künstlerisch zu arbeiten bedeutet im besten Fall immer Entwicklung. Das wollte ich damit aufzeigen. Und dabei ist der Weg das Ziel. Liebe Grüße, Angelika

      Antworten

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