Grenzenlos kreativ – innere Grenzen überwinden

Kreativität hat keinen Anfang und kein Ende. Alles ist miteinander verwoben und vernetzt. Wenn du, wie ich, in verschiedenen künstlerischen Genres zu Hause bist, dann empfindest du vielleicht ebenso die grenzenlosen Möglichkeiten des Gestaltens.

Immer wieder bin ich allerdings erstaunt, wie stark die Grenzen sind, die sich Menschen selbst setzen. Auch in der Kunst. Sei es durch innere Glaubenssätze wie: „Das kann ich nicht“ oder „Ich bin nicht gut genug“ bis hin zu „Ich traue mich nicht“. Auch ein: „Wie kommt mein Bild beim Betrachter an“ kann Grenzen setzen.

Diese Grenzen können inhaltlicher oder auch räumlicher Natur sein. Sich Raum zu nehmen, also wirklich physisch Platz zu machen, für das schöpferische Tun ist da ein großer Schritt. Themen kommen lassen, ernst nehmen und nicht bestimmte Dinge ausgrenzen, ist ein anderer Baustein für grenzenlose Kreativität.

Selbsterrichtete Schranken sind die schwersten Hindernisse
Else Pannek, deutsche Lyrikerin

Ein Abgrenzen ist allerdings manchmal nötig, wenn erwartet wird, dass ich selbst meine eigenen Bedürfnisse hinten anstelle. Gerade Frauen sind immer noch oft in der Situation, wenig Zeit für sich zu haben, weil sie sich um die Familie kümmern. Zuerst sind es die eigenen Kinder, dann die Enkelkinder und die Eltern oder andere Familienangehörige, die Zeit beanspruchen. Ich habe das selbst so erfahren und höre ich im Kursalltag sehr häufig. Besonders emphatische und sensible Menschen stellen die Bedürfnisse der anderen häufig über die eigenen.

Bei mir ist die Lebenssituation zur Zeit eine andere. Nachdem ich letztes Jahr trotz Pandemie und Lockdown mit Hochdruck viele berufliche Ideen umgesetzt habe, habe ich es dieses Jahr etwas ruhiger angehen lassen. Ich bemerkte, dass der Druck, den ich mir selbst mache, verhindert, dass meine Kreativität frei fließt.  Die selbst gesetzten Ziele und eng gesteckten Termine ließen mich begrenzt und unfrei werden.

Deswegen begreife ich die derzeitige Situation im Augenblick als ungewollte Auszeit, quasi als ein geschenktes Sabbatical. In dem ich tun und lassen kann, wonach mir ist. Mir selbst keinen Druck mache. Mal über den Tellerrand schaue. Mal dies und jenes ausprobiere. Dinge mache, die ich immer schon mal machen oder endlich wieder einmal machen wollte. Scheinbar Unnützes probiere.

Wie du vielleicht weißt, vielleicht aber auch nicht, habe ich in jungen Jahren Design studiert und zwar den Schwerpunkt Textil-Design. Das Studium war sehr inspirierend experimentell und einige dort erlernte Techniken verwende ich noch heute.

Diese Illustration kennst du vielleicht aus einem der letzten Blogbeiträge.

So kam ich auf die Idee, einige meine Bilder und Aquarelle zum designen von fortlaufenden Mustern zu verwenden. Da ich viele nähe, ist der Gedanke, dafür selbst gestaltete Stoffe zu verwenden, sehr reizvoll. Ich fand es außerdem toll, wie schön sich meine verschiedenen Berufs-Bereiche ergänzen und daraus Neues entsteht. Und so ein Stoffmuster ist grenzenlos….wie Kreativität eben auch.

Die Blütenelemente habe ich isoliert und ohne Zweig auf dem Format verteilt.

 

So kam die Idee zu mir, einmal tiefer über Grenzen oder Grenzenlosigkeit in der Malerei nachzudenken.

Erlebst du die Grenzen deiner schöpferischen Kreativität? Wenn ja, was hält dich auf, dein Potential auszuschöpfen? Gibt es etwas was dich zurückhält? Setzt du dir Grenzen durch überholte Glaubenssätze, die gar nicht nötig wären? Weil du Angst hast, dich zu zeigen, wie du bist (denn ein Bild ist häufig ein Spiegel dessen).

Es gibt keine Grenzen. Weder für Gedanken, noch für Gefühle.
Es ist die Angst, die immer Grenzen setzt.
Ingmar Bergman

Es gibt Menschen, die wieder Grenzen ziehen möchten, um sich sicherer zu fühlen. Aber Das ist in meinen Augen nicht der richtige Weg. Natürlich bedeuten Grenzen unter Umständen auch Schutz. Es macht unter Umständen auch eng, ängstlicher und fördert noch mehr die Unsicherheit. Grenzenlosigkeit bedeutet Offenheit, Neugier auf Fremdes, Unerwartetes. Ist ein Abenteuer.

 

Die Blütenformen habe sind hier schon im Musterrapport angelegt.

Jetzt wo die äußeren Grenzen scheinbar zumindest zeitweilig wieder geschlossen werden, ist es die Gelegenheit, sich mit den inneren Grenzen zu befassen, auch in malerischer Hinsicht.

Wo will ich hin? Wie sieht mein Weg dorthin aus? Wie soll es sich es sich anfühlen, wenn ich unterwegs bin? Was begegnet mir auf der Strecke? Welche Hürden gilt es zu überwinden? Ist der Punkt, an dem ich ankomme überhaupt mein erdachtes Ziel, oder bin ich unterwegs abgebogen und ganz woanders gelandet?

Kann ich meine Komfortzone verlassen, um Neues zu lernen? Etwas, wozu ich mich vielleicht überwinden muss? Allen Mut zusammen nehme, weil ich ins Ungewisse gehe? Diese inneren Grenzen zu überwinden bedeutet Freiheit und Weiterentwicklung.

Rein formal können Grenzen aber durchaus positiv gesehen werden.

"Form ist Grenze"

Oswald Spengler, deutscher Kultur und Geschichtsphilosoph

Ohne Grenzen also keine Form? Nur ein diffuses Farbspiel ohne klare Abgrenzungen, wie im Nebel verzogen? Weich und mit geringem Kontrast? Spannungsvoller sind Bilder mit klaren Formen und Kanten (Natürlich zusätzlich zu den Übergängen). Wenn es dir gut gelingt, Farbe zu verziehen und du tolle Übergänge hinbekommst, gibt es häufig Schwierigkeiten mit der Form. Sie ist nie gut genug und wird sofort, wenn sie entsteht, wieder weich übergearbeitet. Kennst du dieses Phänomen? Eine Form ist ein Statement, etwas Unübersehbares. Man muss unter Umständen erst lernen, dazu zu stehen.

Wie in Allem gibt es auch bei Grenzen positive wie negative Aspekte. Grenzen, die wir brauchen, um uns abzugrenzen zum Beispiel. Und Grenzen, die überflüssig sind, weil sie unsere Entwicklung behindern. Es liegt an dir, herauszufinden, wo sie jeweilig für dich liegen.

So könnte es aussehen....

Auch wenn diese Zeit so erscheint, als würde sie uns begrenzen und einsperren (und das tut sie ja auch wahrhaftig), gibt sie uns doch auch vielleicht die Möglichkeit und die Muße, uns grenzenlos mit den inneren Themen zu befassen. Diese können eine wertvolle Auswirkung auf das Äußere haben.

Viel Freude bei allen Experimenten, lass Farbe fließen

Angelika

 

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